Konferenz

Vorträge, Diskussionen, Seminare und Lesungen rund um das Thema selbstbestimmte, freie Bildung von und mit Menschen, die in der Bildung neue Wege gehen.
Programmwünsche, Vorschläge und Anfragen können gerne an unsere Kontaktadressen gestellt werden.
Bitte wendet euch an: konferenz@schulfrei-festival.de


Harriet Pattison: „Rethinking learning to read“ – Umdenken beim Lesenlernen

Harriet Pattison beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit ‚home education‘, also mit dem Freilernen, erst als Mutter und dann als Wissenschaftlerin. Sie hat gemeinsam mit Alan Thomas über informelles Lernen zuhause geforscht und geschrieben und ihr gemeinsames Buch „Informelles Lernen: Wie Kinder zu Hause lernen“ ist 2016 auf Deutsch erschienen.

Harriet Pattison’s aktuelles Forschungsprojekt ist das Thema wie Kinder zuhause Lesen lernen. Über die Erkenntnisse aus diesem Projekt wird sie auf dem Schulfrei-Festival sprechen. Die Studie umfasst 400 Kinder, teilgenommen haben Familien, in denen den Kindern das Lesen beigebracht wurde, sowie Familien, die einen informellen Weg zur Lesekompetenz eingeschlagen haben. Die Untersuchung hat einige Erkenntnisse zutage gebracht, wie Lernen in Freilerner-Familien vonstatten geht, und sie hat Fragen bezüglich der üblichen Praktiken rund um das Lesenlernen in Schulen aufgeworfen.

 


Sylvia Müller und Karen Kern: „Ziviler Ungehorsam“ – das klingt schön. Doch wie soll ich nur mit der Angst umgehen?

Ziviler Ungehorsam kann tiefgreifende Ängste auslösen. Ängste, die Eltern und junge Menschen davon abhalten, für ihren selbstgewählten Bildungsweg offen einzustehen und sie statt dessen dazu bringen, die vermeintlich einfacheren Wege in den „Untergrund“ oder ins Ausland zu wählen. Die Erfahrungen der Familien, die sich bisher schon hierzulande mit den Behörden auseinandergesetzt haben, zeigen aber, dass andere Lösungen, andere Wege möglich sind. Schaut man der eigenen Angst ins Auge und nimmt sie als Partner mit in die Auseinandersetzung, dann können Ziele erreicht werden, die vorher völlig unrealistisch schienen, selbst wenn es oft nur in kleinen Schritte vorwärts geht.

Karen Kern und Sylvia Müller stellen in ihrem Beitrag ein realitätsnahes Szenario vor, wie es in der Beratungspraxis der Freilerner-Solidargemeinschaft vorkommen könnte. Das Publikum bekommt dabei immer wieder Gelegenheit sich einzubringen, Fragen zu stellen oder Einwände zu äußern.
 

 

 

 


 





Karin Siakkos: Freilernen in Österreich

Karin Siakkos, vierfache Mutter und seit gut einem Jahrzehnt in der österreichischen Freilernerszene aktiv, erzählt von der aktuellen Situation in Österreich, den Entwicklungen beim Verein Netzwerk der Freilerner (www.freilerner.at), den Möglichkeiten der Vernetzung und der Information. Familie Siakkos lebt mit einer weiteren Freilerner-Familie am MITANANDA H.O.F. (www.mitanandahof.com), der auch das erste österreichische Freilerner-Infozentrum beheimatet. Gemeinschaft, Nachhaltigkeit, Selbstversorgung, Betreuung und Vernetzung sowie kreative Betätigung aller Art sind die Schwerpunkte am H.O.F.

 

 


Gesprächsrunde mit jugendlichen und jungen erwachsenen Freilernern

Wie im letzten Jahr stellen sich einige Jugendliche und junge Erwachsene vor, die freilernend aufgewachsen sind, und beantworten eure Fragen zu ihren Erfahrungen mit dem freien Leben und Lernen.




Katharina und Ammari Addas: Und wie macht ihr das mit der Schule?

Im Sommer 2013 brachen Ammari und Katharina Addas mit ihren beiden Töchtern in einem selbstausgebauten Allrad-LKW zu einer einjährigen Reise auf. Vier Jahre später sind sie immer noch unterwegs, die Kinder sind mittlerweile 11 und 14 Jahre alt, und aus der Reise ist ein Nomadenleben geworden.

Beim Schulfrei Festival erzählen sie von den Stationen ihrer inneren und äußeren Reise: vom Unschooling, dem Leben mit Teenagern on the road und wie sich der Teilausstieg aus dem System, das unsere Werte prägt, heute für sie anfühlt.

 

 

 

 

 

 

 


Anke Caspar-Jürgens: Leben und Lernen, selbstbestimmt und in Gemeinschaft

Gemeinsam sind wir nicht nur stärker, sondern auch um einiges kreativer, lebendiger, fröhlicher, verständnisvoller und politisch wirkungsvoller. Das jedenfalls sind meine Erfahrungen nach meinem Gang durch die diversen Bildungsinstitutionen – bis ich mit dem Lernen in gemeinschaftlicher Verbundenheit konfrontiert wurde. Welche Vorteile bietet es Jung bis Alt in gemeinschaftlichen Zusammenhängen zu leben und zu lernen? Visionen dazu gibt es viele, aber worauf kommt es an, damit dieses Mehr an Lebensqualität sich unter uns entfalten kann? Wenn auch ohne ein Alle selig machendes Rezept, will ich doch meine Erfahrungen aus dreißig Jahren Leben und Lernen in Gemeinschaft mit großen und kleinen Menschen mit euch teilen und diskutieren.

Anke Caspar-Jürgens, 75 Jahre alt, war Gründerin und Lehrerin der ersten Alternativschule in Hamburg. Sie quittierte den Schuldienst und wurde Begleiterin einer kleinen nicht legalisierten Lerngruppe. Diese Zeit dokumentierte sie in dem Buch „Lernen ist Leben. Die Familienschule: Wie Schule sein könnte, wenn das Lernen frei wäre.“ Bis Ende 2016 leitete sie die Bildungsredaktion des Magazins Oya und engagiert sich nun für die freie Bildung im BVNL.

 


Gabi Reichert: Frei lernen und frei leben mit der ganzen Familie

Die 5reicherts (Reisefotografen Gabi und Gunter mit ihren Kindern Esra, Noah und Amy – jetzt 22, 21 und 18) reisen seit dem Jahr 2000 gemeinsam um die Welt. Anfangs nutzten sie die Zeit in den Ferien. Im Jahr 2009 machten sie sich frei von Schule und Job, seither sind sie fast nur noch in den Ferien daheim. Dass das Lernen auf Reisen wunderbar funktioniert, beweisen auch die externen Schulabschlüsse der drei Kinder.

Doch auch Mütter sind vor neuen Lernschüben nicht gefeit. Gabi erkannte, dass das, was Kinder zum mühelosen Lernen brauchen, auch im Erwachsenenalter wichtig bleibt. Welche Voraussetzungen für ein erfülltes Leben wesentlich sind, beschreibt sie anhand ihrer Fotografie.

 



 



Peter van Zuidam: „Free-learning legally in a close foreign country“ – Legal Freilernen im benachbarten Ausland

Peter wird über die Möglichkeiten und Einschränkungen für deutsche Freilerner-Familien sprechen, die in die Niederlande ziehen. In den Niederlanden herrscht Schulpflicht, aber das Gesetz bietet eingeschränkt Optionen auf Ausnahmeregelungen, die von Hunderten von Familien für verschiedene Bildungsansätze genutzt werden. Das Freilernen ist derzeit ungeregelt und wächst jedes Jahr um rund 10% in den Niederlanden.

Peter ist ein aktives Mitglied der niederländischen Freilerner-Vereinigung NVvTO und arbeitet als rechtlicher Berater im Bereich Schulpflicht und ihre Ausnahmeregelungen. Im Jahr 2000 war Peter einer der Gründer der NVvTO, die ein einflussreicher Gesprächspartner für das Bildungsministerium in Den Haag geworden ist in Hinblick auf die Legalisierung von „Homeschooling“ als Möglichkeit, das Recht junger Menschen auf Bildung zu erfüllen. Die NVvTO hat immer das elterliche Recht verteidigt, Freilernen als Bildungsweg zu wählen.



Dr. Andreas Vogt und Jost von Wistinghausen: Freie Bildung aus rechtlicher Sicht

Die Rechtsanwälte Dr. Andreas Vogt und Jost von Wistinghausen beschäftigen sich seit mehreren Jahren mit dem Thema der freien Bildung. Aus der Sicht der Praktiker, die den Umgang mit den Behörden und Gerichten gewohnt sind und nicht scheuen, schildern sie lebensnah, welche verschiedenen Rechtsgebiete mit dem Thema der freien Bildung verknüpft sind.

Die Rechtsanwälte dienen nicht selten auch als Übersetzer der Rechtssprache in verständliches Deutsch. Sie machen aber auch deutlich, dass eine begleitende Rechtsberatung von Anfang
an vor den größten Stolperfallen bewahren kann. Es gilt gerade beim sensiblen Thema des Familienrechts und hier der immer wieder verwendeten Leerformel „Kindeswohlgefährdung durch Nichtschulbesuch“ von Anfang an juristische Argumente entgegenzusetzen.

In Dutzenden von Verfahren, die beide bisher als Anwälte bei unterschiedlichen Gerichten vertreten konnten, erbrachten sie immerhin den Nachweis, dass sich der Einsatz lohnt für die Menschen und ihr Recht frei sich zu bilden. Entlang der sensiblen Linie zwischen Auslegung der geltenden Gesetze und dort den erwünschten und erforderlichen Bedingungen verläuft die Gratwanderung eines Wandels, der sich derzeit wohl spürbar ereignet. Ausgehend von dem Grundsatz, dass es zu den unverbrüchlichen Grundrechten eines jeden Menschen egal welchen Alters gehört frei sich zu bilden, wollen beide Rechtsanwälte mit der Bereitstellung ihres juristischen Handwerkszeugs zu einer Wandlung des Verständnisses beitragen.